Nationalparke und Biosphärenreservate

Nationalpark - Definition

”Ein Nationalpark ist ein verhältnismäßig großes Gebiet, in dem

  1. ein oder mehrere Ökosysteme nicht wesentlich durch menschliche Nutzung oder Inanspruchnahme verändert sind, in dem Pflanzen-und Tierarten, geomorphologische Erscheinungen sowie Biotope von besonderer Bedeutung für Wissenschaft, Bildung und Erholung sind oder das eine besonders schöne natürliche Landschaft ausweist;
  2. die oberste zuständige Behörde des betreffenden Landes Maßnahmen getroffen hat, im gesamten Gebiet so früh wie möglich die wirtschaftlichen Nutzungen oder jede andere Inanspruchnahme zu verhindern oder zu beseitigen und wirksam sicherzustellen, daß die ökologischen, geologischen, morphologischen oder ästhetischen Eigenschaften, die zur Ausweisung eines Schutzgebietes geführt haben, unantastbar bleiben; und
  3. Besuchern unter bestimmten Bedingungen zur Erbauung, Bildung, Kulturvermittlung und Erholung Zutritt gewährt wird”.

(BIBELRIETHER/DIEPOLDER/WIMMER 1997 S. 15, nach Alliance for Nature 1990).

Protected Area Management Categories (IUCN 1994)

Ia

Ib

Strict Nature Reserve

Wilderness Area

II

National Park
„Natural area of land and/or sea, designated to 
(a) protect the ecological integrity of one or more ecosystems for present and future generations,  (b) exclude exploitation or occupation inimical to the purposes of designation of the area and  (c) provide a foundation for spiritual, scientific, educational, recreationa land visitor opportunities, all of which must be environmentally and culturally compatible.“

III

IV

V

VI

Natural Monument

Habitat / Species Management Area

Protected Landscape / Seascape

Managed Resource Protected Area

Quelle:http://www.unep-wcmc.org/index.html?http://www.unep-wcmc.org/protected_areas/categories/~main

Nationalparke sind die älteste und nach allgemeinem Verständnis die höchste Schutzgebietskategorie

Biosphärenreservat - Definition

„Biosphärenreservate sind großflächige, repräsentative Ausschnitte von Natur- und Kulturlandschaften. Sie gliedern sich abgestuft nach dem Einfluß menschlicher Tätigkeit in eine Kernzone, eine Pflegezone und eine Entwicklungszone, die gegebenenfalls eine Regenerationszone enthalten kann. Der überwiegende Teil der Fläche des Biosphärenreservats soll rechtlich geschützt sein. In Biosphärenreservaten werden – gemeinsam mit den hier lebenden und wirtschaftenden Menschen – beispielhafte Konzepte zu Schutz, Pflege und Entwicklung erarbeitet und umgesetzt. Biosphärenreservate dienen zugleich der Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen, der Ökologischen Umwelt-beobachtung und der Umweltbildung. Sie werden von der UNESCO im Rahmen des Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ anerkannt”

(Ständige Arbeitsgruppe der Biosphärenreservate in Deutschland (AGBR) 1995, S. 5)

Sevilla-Strategie 1995

Die Schutzgebietskategorie der Biosphärenreservate wurde in den 1970er Jahren geschaffen. Innerhalb des ”Man and Biosphere”-Programms (MAB) der UNESCO (1970) waren sie zunächst in den Projektbereich 8 ”Erhaltung von Naturgebieten und des darin enthaltenen genetischen Materials” eingeordnet. Dementsprechend waren die ersten Biosphärenreservate flächenmäßig kleiner und vorrangig auf Forschungsaktivitäten ausgerichtet. 
Ein etwa zwei Jahrzehnte andauernder Entwicklungsprozess, beeinflusst insbesondere durch die Nachhaltigkeitsdiskussion (Konferenz von Rio de Janeiro 1992), mündete 1995 in die Sevilla-Strategie für Biosphärenreservate (UNESCO 1996, S. 10/11). Die Sevilla-Strategie war die Geburtsstunde für die Biosphärenreservate der zweiten Generation. Die vorher geschaffenen, nicht der Sevilla-Strategie entsprechenden Biosphärenreservate werden allgemein als „alte“ Biosphärenreservate bezeichnet.

Funktionen (UNESCO 1996)

Entsprechend der Sevilla-Strategie haben Biosphärenreservate drei sich ergänzende Funktionen: 

  • „eine Schutzfunktion zum Zwecke der Erhaltung der biologischen Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, Ökosysteme und Landschaften.
  • eine Entwicklungsfunktion, um nachhaltige wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung zu fördern, sowie
  • eine logistische Funktion, um Demonstrationsprojekte, Umweltbildung, Ausbildung, Forschung und Umweltbeobachtung, bezogen auf lokale, nationale und weltweite Angelegenheiten von Schutz und nachhaltiger Entwicklung zu unterstützen.“

(AGBR 1999, veröffentlicht unter http://www.biosphaerenreservat-vessertal.de)

In Deutschland und Österreich wurden Nationale Kriterien Biosphärenreservate formuliert, vgl.http://www.unesco.de/2283.html und http://www.biosphaerenparks.at.

Biosphärenreservate sind keine (Schutz-)Gebiete zweiter Klasse,
sondern eine qualitativ eigenständige Kategorie
von Schutz- und Entwicklungsgebieten,
wobei Entwicklung immer als nachhaltige Entwicklung verstanden wird.

 

Vergleich Nationalparke und Biosphärenreservate

Nationalparke (IUCN)

 Biosphärenreservate (UNESCO)

Schutz von naturnahen Landschaften (NSG) anthropogen wenig beeinflusstes ökologisches Gleichgewicht (keine wirtschaftliche Nutzung, Eigendynamik) Prozessschutz                        Erhaltung von naturnahen und historisch gewachsenen Kulturlandschaften (LSG, NSG)Schutz, Pflege und Entwicklung bestimmter Ökosysteme unter Einbeziehung des Menschen(nachhaltige Landnutzungsmodelle)

”Natur Natur sein lassen”

”Schutz durch Nutzung”

Grundkonflikt durch Bildung und Erholung  
--> Konfliktminimierung

Konsens mit den verschiedenen Nutzergruppen
--> Konfliktvermeidung

großräumig, Siedlungen weitgehend ausgeschlossen großräumig, Dörfer und kleinere Städte ausdrücklich integriert
Zonen mit unterschiedlichem Schutzstatus (hoher Anteil Kernzone bzw. NSG, zum Teil Totalreservat)Zonen mit unterschiedlichem Schutzstatus (innere Zonen NSG, zum Teil Totalreservat, äußere Zonen überwiegend LSG)
in der Regel Nationalparkverwaltung nur zum Teil eigene Verwaltungseinrichtung
ÖkosystemforschungErforschung der Mensch-Umwelt-Beziehungen

Quelle: Eigene Zusammenstellung

Nationalparke in Deutschland
Nationalparke in Österreich
         
Biosphärenreservate in Deutschland
Biosphärenparks in Österreich

Regionale Impulse durch die Ausweisung von Großschutzgebieten
– Das Biosphärenreservat Spreewald

Letzte Änderung am 23.6.2011